Präzise und sorgfältig erstellte technische Zeichnungen sind bei der Zusammenarbeit mit Blechbearbeitern unerlässlich. Gute Zeichnungen reduzieren Fehler, vermeiden Missverständnisse, verkürzen die Lieferzeiten und verhindern kostspielige Nacharbeiten, während unklare Zeichnungen zu Verzögerungen, falschen Toleranzen und unerwarteten Kosten führen. Dieser Artikel erklärt, wie Sie lieferantenreife Zeichnungen erstellen, die eine reibungslose Zusammenarbeit und eine präzise Fertigung gewährleisten.
Warum technische Zeichnungen in der Blechbearbeitung so wichtig sind
Die Blechbearbeitung umfasst zahlreiche Prozesse – Schneiden, Biegen, Stanzen, Schweißen, Umformen, Oberflächenbearbeitung und Montage. Jeder Schritt erfordert präzise Maß- und Materialangaben. Zulieferer sind in hohem Maße auf Ihre technischen Zeichnungen angewiesen, um:
- Die Geometrie und den Zuschnittplan zu verstehen
- Biegezugaben und K-Faktoren zu bestimmen
- Toleranzen und Passungen zu berechnen
- Den Materialverbrauch und die Kosten abzuschätzen
- Die Herstellbarkeit zu beurteilen
- Die Werkzeugauswahl und den Produktionsablauf zu planen
Gute Zeichnungen minimieren Unsicherheiten. Ohne klare Vorgaben können selbst erfahrene Blechbearbeiter Details unterschiedlich interpretieren, was zu Fehlern oder inkonsistenten Teilen führen kann.

Wählen Sie das richtige Zeichnungsformat
Bevor Sie die Zeichnung erstellen, stellen Sie sicher, dass Sie die erforderlichen Dokumente in den von den Lieferanten erwarteten Formaten bereitstellen.
Standardformate
Die meisten Blechbearbeitungsbetriebe akzeptieren:
- DWG / DXF (für Laserschneiden, Stanzen, Wasserstrahlschneiden)
- STEP / STP / IGES (für 3D-Modelle und Baugruppen)
- .PDF (für lesbare 2D-Konstruktionszeichnungen mit Bemaßungen)
Warum Formate wichtig sind
- DXF-Dateien definieren die flachen Zuschnitte für das Schneiden.
- STEP-Dateien helfen den Lieferanten, die vollständige Geometrie zu visualisieren und Kollisionen zu erkennen.
- PDF-Zeichnungen enthalten die offiziellen Bemaßungen, Toleranzen und Anmerkungen.
Bestätigen Sie immer die bevorzugten Formate Ihres Lieferanten, um Verzögerungen bei der Angebotserstellung oder Produktion zu vermeiden.
Verwendung von Standardansichten und -layouts
Eine professionelle technische Zeichnung sollte die korrekten orthogonalen Ansichten und eine übersichtliche Layoutstruktur enthalten, damit die Fertigungsmitarbeiter das Bauteil problemlos interpretieren können.
Mindestens erforderliche Ansichten
- Vorderansicht
- Draufsicht
- Seitenansicht
- Isometrische Ansicht (hilft bei der Visualisierung komplexer Formen)
Zusätzliche Ansichten
Für Teile mit komplexen Biegungen oder verdeckten Merkmalen sollten zusätzlich folgende Ansichten enthalten sein:
- Schnittansichten
- Detailansichten
- Explosionszeichnungen (für Baugruppen)
Halten Sie die Zeichnung übersichtlich und ordentlich
Vermeiden Sie überlappende Bemaßungen und unklare Linien. Verwenden Sie konsistente Linienstärken für:
- Sichtbare Kanten
- Verdeckte Linien
- Mittellinien
- Schnittlinien
Eine übersichtliche Zeichnung verbessert die Kommunikation und reduziert Missverständnisse.
Materialspezifikationen klar definieren
Die Materialauswahl beeinflusst Festigkeit, Biegbarkeit, Korrosionsbeständigkeit, Gewicht und Kosten. Lieferanten benötigen genaue Materialinformationen, um das Teil korrekt zu bearbeiten und ein Angebot zu erstellen.
Folgende Angaben sind erforderlich:
- Materialart (z. B. SPCC, Edelstahl 304, Aluminium 6061)
- Materialstärke (z. B. 1,0 mm, 2,5 mm)
- Oberflächenbeschaffenheit (z. B. gebürstet, eloxiert, pulverbeschichtet, verzinkt)
- Härtegrad (für Aluminium oder Spezialmetalle)
- Industrienorm (ASTM, JIS, DIN, EN, GB)
Warum die Materialstärke wichtig ist
Die Blechstärke beeinflusst direkt:
- Biegeradius
- K-Faktor
- Abmessungen des Zuschnitts
- Materialkosten
Die Angabe der genauen Materialstärke verhindert Fehler bei der Berechnung des Zuschnitts und der Werkzeugauswahl.
Flachabwicklung (falls erforderlich)
Wenn Ihr Design Biegungen enthält, bevorzugen viele Hersteller eine Flachabwicklung im DXF-Format. Dies ermöglicht ihnen:
- Optimierung der Schneidpläne
- Reduzierung von Materialabfall
- Berechnung der korrekten Rohlinggröße
- Vorbereitung für CNC-Stanzen oder Laserschneiden
Was eine Flachabwicklung enthalten sollte:
- Genaue Biegelinien
- Biegerichtung (nach oben oder unten)
- Biegehinweise
- Maßangaben im abgewickelten Zustand
Wenn Sie keine Flachabwicklung bereitstellen, erstellt Ihr Lieferant diese selbst – dies kann jedoch je nach verwendeter Software und Werkzeugen zu Abweichungen führen.
Biegungen klar definieren
Das Biegen gehört zu den wichtigsten Arbeitsschritten in der Blechbearbeitung. Falsche Biegespezifikationen können eine ganze Charge von Teilen unbrauchbar machen.
Geben Sie immer Folgendes an:
- Biegeradius
- Biegewinkel
- Biegerichtung
- Biege-ID oder -Reihenfolge (falls erforderlich)
- K-Faktor oder Biegezugabe (optional, außer bei kritischen Anwendungen)
Biegetabellen verwenden
Wenn Ihre Konstruktion mehrere Biegungen enthält, sollten Sie eine Biegetabelle hinzufügen:
| Biegez. ID | Winkel | Radius | Richtung | Bemerkungen |
| B1 | 90° | R1.5 | Aufwärts | Standard-Luftbiege |
| B2 | 45° | R1.0 | Abwärts | Enge Freigabe |
Vermeiden Sie übermäßige Spezifikationen.
Eine zu detaillierte Festlegung der Biegeparameter kann die Flexibilität des Lieferanten einschränken. Geben Sie nur die wesentlichen Informationen an.

Korrekte Maße und Toleranzen anwenden
Die Maße geben dem Lieferanten die erforderliche Größe des Teils vor. Die Toleranzen legen fest, welche Abweichungen zulässig sind.
Allgemeine Bemaßungsregeln
- Verwenden Sie konsistente Einheiten (mm oder Zoll).
- Bemaßen Sie funktionale Merkmale (Bohrungen, Schlitze, Passflächen).
- Vermeiden Sie redundante oder widersprüchliche Bemaßungen.
- Verwenden Sie bei Bedarf geometrische Toleranzen (Ebenheit, Rechtwinkligkeit, Position).
Angemessene Toleranzen festlegen
Engere Toleranzen erhöhen:
- Produktionszeit
- Ausschussquote
- Fertigungskosten
Typische Toleranzen für Blechbearbeitung:
- ±0,1–0,2 mm für Laserschneiden
- ±0,3–0,5 mm für Biegen
- ±0,2–0,3 mm für gestanzte Merkmale
Details zu Bohrungen, Schlitzen und anderen Merkmalen definieren
Gängige Blechmerkmale erfordern zusätzliche Anmerkungen
Lochtypen
- Standardloch
- Senkloch
- Gewindeloch
- Geprägtes/umgeformtes Loch
- PEM-Einsatzloch
Erforderliche Informationen
Für jedes Loch oder jeden Schlitz:
- Durchmesser oder Breite
- Tiefe (bei Senkungen)
- Winkel (bei Senkungen)
- Position von den Bezugskanten
- Befestigungselementtyp (falls zutreffend)
Gewinde und Einsätze
Wenn Ihr Bauteil Gewinde oder PEM-Einsätze benötigt:
Geben Sie Folgendes an:
- Gewindegröße (z. B. M4 × 0,7)
- Einsatztyp (z. B. PEM M3 selbstsichernde Mutter)
- Einpressrichtung
- Eventuelle Drehmomentanforderungen
Unklarheiten in diesem Bereich sind eine häufige Ursache für Produktionsfehler.
Schweiß- und Montagehinweise hinzufügen
Wenn Ihre Blechkonstruktion Schweißverbindungen oder montierte Komponenten umfasst, fügen Sie detaillierte Anweisungen hinzu.
Schweißhinweise sollten Folgendes umfassen:
- Schweißverfahren (WIG, MIG, Punktschweißen)
- Schweißnahtgröße
- Schweißnahtlänge
- Schweißnahtposition
- Unterbrochene oder durchgehende Schweißnähte
- Anforderungen an das Schleifen oder die Nachbearbeitung nach dem Schweißen
Verwenden Sie nach Möglichkeit standardisierte Schweißsymbole.
Montagezeichnungen
Stellen Sie Folgendes bereit:
- Explosionszeichnung
- Stückliste
- Positionsnummern
- Befestigungselemente
- Ausrichtungsdetails
Unvollständige Montageanweisungen führen häufig zu fehlerhaften Installationen oder falschen Schweißpositionen.
Wichtige Qualitätsmerkmale (CTQ) berücksichtigen
Einige Merkmale beeinflussen die Leistung oder die Montage des Endprodukts. Deren Kennzeichnung verhindert Fehlinterpretationen.
Beispiele für CTQ-Merkmale:
- Positionen der Befestigungsbohrungen
- Passflächen
- Strukturelle Kanten
- Dichtflächen
- Ausrichtung der Bohrungen zu anderen Baugruppen
Kennzeichnung von CTQ-Merkmalen:
- Fettgedruckte Umrisse
- GD&T-Angaben
- Spezielle Hinweise
Zusätzliche Anforderungen an Oberflächenbehandlung und Beschichtung
Die Oberflächenbehandlung beeinflusst die langfristige Haltbarkeit, das Erscheinungsbild und die Korrosionsbeständigkeit.
Gängige Oberflächenbehandlungen für Blechbauteile
- Pulverbeschichtung
- Eloxieren (für Aluminium)
- Verzinken
- Sandstrahlen
- Gebürstete Oberfläche
- Elektropolieren
Bitte angeben:
- Farbe (z. B. RAL 9005)
- Glanzgrad
- Schichtdicke (z. B. 60–80 μm für Pulverbeschichtung)
- Vorbehandlung (Entfetten, Phosphatieren)
- Abdeckanforderungen (für Oberflächen, die unbehandelt bleiben sollen)
Unvollständige Angaben zur Oberflächenbehandlung können Nacharbeit oder Ausschuss verursachen.
Richtlinien für Toleranzen beim Biegen und zur Fertigbarkeit
Lieferanten prüfen Ihre Konstruktion häufig auf Fertigbarkeit. Sollte das Bauteil physikalische Grenzen überschreiten, werden sie Änderungen vorschlagen.
Allgemeine Richtlinien
- Mindestbiegeradius: typischerweise ≥ 1x Materialstärke
- Mindestflanschlänge: ≥ 2x Materialstärke
- Mindestabstand Loch-zu-Biegung: ≥ 2x Materialstärke
- Vermeiden Sie extrem enge Biegungen bei Edelstahl
Vermeiden Sie die Platzierung von Bohrungen auf Biegelinien, es sei denn, dies ist erforderlich und entsprechend vermerkt
Bitten Sie Ihren Lieferanten um eine DFM-Überprüfung (Design for Manufacturing)
Viele Fertigungsbetriebe bieten folgende Leistungen an:
- Prüfung der Biegbarkeit
- Bewertung des Werkzeugbedarfs
- Optimierung des Abwicklungsmusters
- Vorschläge zur Reduzierung von Kosten und Fertigungszeit
Verwendung eines Schriftfelds und einer Revisionsübersicht
Eine professionelle Zeichnung muss ein standardisiertes Schriftfeld enthalten.
Das Schriftfeld sollte folgende Informationen enthalten:
- Teilbezeichnung
- Teilenummer
- Materialspezifikationen
- Maßstab
- Zeichnungsnummer
- Revisionsnummer
- Name des Zeichners
- Datum
- Einheiten
Revisionsübersicht
Diese Übersicht hilft Lieferanten, Konstruktionsänderungen nachzuverfolgen und die Produktion veralteter Versionen zu vermeiden.
Teilen Sie ein vollständiges Dokumentationspaket
Um die Arbeit Ihres Lieferanten zu erleichtern, stellen Sie ein vollständiges Dokumentationspaket zusammen:
Empfohlenes Paket
- 2D-Technische Zeichnung (PDF)
- DXF-Datei für den Zuschnitt
- STEP-Datei als 3D-Referenz
- Abwicklung
- Montagezeichnung (falls zutreffend)
- Stückliste
- Oberflächenspezifikationen
- Toleranztabelle
- Alle kundenspezifischen Anweisungen
Ein vollständiges Paket beschleunigt die Angebotserstellung, die Produktionsplanung und die Fertigung.
Klare und präzise technische Zeichnungen sind unerlässlich für die hochwertige Blechbearbeitung. Detaillierte Informationen – Maße, Toleranzen, Materialien, Biegeanweisungen und Oberflächenbehandlungen – tragen dazu bei, dass die Teile die Leistungsanforderungen erfüllen. Eine vollständige und gut strukturierte Dokumentation verbessert die Kommunikation, reduziert Fehler, verkürzt die Lieferzeiten und stärkt die Zusammenarbeit, wodurch der gesamte Prozess von der Angebotserstellung bis zur Serienproduktion reibungsloser verläuft.